Während sich die GroKo in spe an den Verbrenner klammert, wird in Japan bereits die Zukunft gelebt. Tokio will’s wissen. Um private Ladestationen zu subventionieren, stellt die Tokios Stadtregierung alleine für das Jahr 2018 eine Milliarde Yen zur Verfügung.

Ein landesweites Förderungsprogramm zur Installation von Ladegeräten für E-Autos an Eigentumswohnungen gibt es in Japan bereits. Doch Tokios Stadtväter wollen die Metropole so schnell wie möglich von Verbrennungsmotoren befreien. Mit zusätzlichen Finanzspritzen werden nun die Restkosten für die Installation einer Heimladesäule übernommen, sodass Tokioter nichts mehr für die private Zapfsäule zahlen müssen. Pro Jahr steckt die Stadt umgerechnet 7.369.745 Euro in dieses Sonderprojekt.
Durch dieses und weitere Förderungsprogramme für E-Fahrzeuge sollen in der japanischen Hauptstadt Voraussetzungen geschaffen werden, um die Idee der Anschaffung eines Verbrennungsmotors ad absurdum zu führen. Anders ist die Lage in Deutschland: Eine Verkehrswende ist hierzulande noch lange nicht in Sicht. Die hinkenden Förderungsmaßnahmen der letzten Groko haben gerademal den Abstand zu Europas Spitzenreitern verkleinert.

Volle Fahrt nach vorne: Weitermachen wie gehabt!

Auch bei der zweiten Auflage der GroKo werden dringend benötigte Rahmenbedingungen für die Elektromobilität eine – im besten Fall – untergeordnete Rolle spielen. In ihrem 28 seitigen Sondierungspapier verwenden die Vertreter von Union und SPD das Wort Elektromobilität nur ein einziges Mal.
Der genaue Wortlaut:

„Wir wollen Fahrverbote vermeiden und die Luftreinhaltung verbessern. Die Mobilitätspolitik ist dem Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet. Wir wollen die Klimaziele von Paris erreichen und dabei soziale Belange berücksichtigen, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gewährleisten und bezahlbare Mobilität sicherstellen. Dafür bedarf es eines ganzen Bündels von Maßnahmen, wie zum Beispiel der Förderung von Elektromobilität, des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Schienenverkehrs; effizienteren und sauberen Verbrennungsmotoren inklusive Nachrüstungen sowie der Verstetigung der Mittel im Rahmen des Nationalen Forums Diesel. Wir setzen uns dabei für ein gemeinsames und koordiniertes Vorgehen von Bund, Ländern, Kommunen, Unternehmen und Gewerkschaften ein.“

Ein Faustschlag ins Gesicht für die noch junge E-Branche. Und das, obwohl Deutschland allmählich die Isolation droht. Anders als im Land der Dichter und Denker gelten Benzin- und Dieselautos in den meisten EU-Ländern als Auslaufmodelle. Wie Deutschland mit seiner Automobilindustrie weiterhin Exportweltmeister bleiben will, ist unklar. Nach Meinung von Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand beim WWF Deutschland, haben Union und SPD mit dem nun vorgelegten Sondierungspapier “ihre Chance vertan, einen Richtungswechsel anzustoßen. Ein Weiter so aber wäre desaströs.”