Der Online-Handel boomt, täglich werden mehrere Millionen Pakete in Deutschland verschickt. Der logistische Aufwand stellt eine enorme Herausforderung für die CO2-Bilanz dar. Eine Lösung verspricht hier die Elektromobilität.

Wenn wir als Kunden beim Online-Shopping kräftig zuschlagen, bieten uns die Versandhändler fast schon paradiesartige Zustände: Zahlung auf Raten, volles Rückgaberecht bis zu 60 Tage, Gratis-Rücksendungen und Lieferung teilweise noch am selben Tag der Bestellung. Und während dieser Rundum-Service für ständig steigende Paketmengen sorgt, kämpfen die Logistikunternehmen und Paketzusteller mit extremen Anforderungen: Immer mehr und immer größere Pakete sollen pünktlich, effizient, ökonomisch und möglichst umweltfreundlich an die bis zur Haustür des Kunden kommen. Gleichzeitig steigt das Verkehrsaufkommen in den Städten, während sich deren Bewohner aber weniger Autos, weniger CO2-Emissionen und weniger Lärm wünschen. Besonders problematisch und ökologisch katastrophal: Die letzten Meter zum Kunden, wenn nur noch vereinzelte Päckchen durch den Laderaum des Lieferwagens kullern.

Ist ein Kunde schließlich bei der Zustellung nicht zu Hause, muss das Paket die letzten Meter zum Kunden erneut anfahren. Unnötige und umweltbelastende Strecken, die täglich weltweit von den Paketdienstleistern zurückgelegt werden müssen. Diesen Flaschenhals, den die Logistik auch das „Problem der letzten Meile“ nennt, gilt es in Zukunft zu überwinden. Dabei geht es nicht nur um die Entlastung der Umwelt, sondern schlicht und einfach um sinkende Kosten.

Das „Problem der letzten Meile“

Lösungsvorschläge, die dem „Problem der letzten Meile“ begegnen, gibt es zuhauf, doch die eine Antwort, die gleichzeitig ökologisch sinnvoll und kostensparend arbeitet, hat sich bislang nicht durchgesetzt: die Ansätze reichen von Packstationen, Paketshops, Paket-Hubs am Stadtrand über den Einsatz von Lastenrädern, Sackkarren und E-Fahrzeugen. Eine Teilantwort kann die Elektromobilität liefern, auch wenn dies wiederum an einem hohen Verkehrsaufkommen und an einer schlechten Auslastung der Lkw nichts ändert. Denkbar wäre eine Kombination der verschiedenen Ansätze: Während Auslieferung am Arbeitsplatz, Packstationen und Paketshops dafür sorgen, dass vermehrt Kunden zum Paket kommen, erledigen Elektro-Lieferroller, Sackkarren oder E-Lieferwägen den Rest oder auch „die letzten Meter“.

StreetScooter: Das elektrische Postauto (Bild: StreetScooter / Deutsche Post DHL Group)

Das elektrische Postauto von StreetScooter
(Bild: StreetScooter / Deutsche Post DHL Group)

Die Stadt Nürnberg testet seit Sommer 2016 gemeinsam mit GLS und DPD in zwei getrennten Feldversuchen, welches Konzept am Ende besser funktioniert: Dabei kommen zwei Mikrodepots für Pakete zum Einsatz, eines am Stadtrand und eines in der Innenstadt. Die Paketzusteller fahren die letzten Meter zum Kunden emissionsfrei mit einem Lastenfahrrad oder mit einer Sackkarre.

Die Deutsche Post etwa hat bis Ende 2016 das Pilotprojekt „CO2-freie Zustellung in Bonn“ durchgeführt. Dabei kamen so genannte „Streetscooter“ mit Elektromotor zum Einsatz, deren Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Seit Ende 2016 fährt die DHL auch in Köln, Stuttgart und Hamburg mit Elektro-Lieferwägen. Weitere Städte sollen in Kürze folgen. Doch sogar DHL spricht bei seinem Projekt von einem „Puzzleteil“ in der grünen Logistik. Routenoptimierung, umweltfreundliche Verpackungen, optimierte Beladung und verbesserte Lagerhaltung sind weitere Stellschrauben, an denen die gesamte Branche weiter drehen muss.