Es wurde ja auch Zeit: VW feiert mit dem ID Buzz die Regeneration des heimlichen Lieblingsautos der Deutschen. Das Modell in schickem Grün-Metallic basiert auf dem legendären VW-Bus, liebevoll Bulli genannt.

Er war über Generationen hinweg das zuverlässigste Auto für jede Situation. Nicht besonders schick, kein Fahrzeug, um eine Lady zum Date abzuholen. Aber verdammt praktisch, wenn es darum ging, Dinge zu verstauen: Surfbretter, Luftmatratzen, Betten, ganze Umzüge nahm der Bulli mit. Und keine Sorge: Der neue E-Bulli mit stylischem Namen sieht zwar futuristisch aus und hat ein sehr viel eleganteres Interieur-Design als sein dezent angestaubter Kollege T1, der Erste der Bullis. Aber an Komfort und Stauraum hat er nichts eingebüßt.

Elektroautos lassen Designer träumen: E-Motoren sind klein, schmal und leicht, oft fällt daher der Grill weg, wird durch aerodynamische Kunst ersetzt. Manchmal sieht das wild aus, oft schlicht ungewohnt, doch die Elektro-Reinkarnation des VW-Bulli ist wie nach Hause zu kommen: die gleichen, verträumten, vertrauten Augen, der gleiche Dreiecksschnitt an der Front, die gleiche Form. Der ID Buzz ist nicht etwa dem T3 oder T4 nachempfunden, der, als Transporter konzipiert, mehr wie ein Kasten wirkte, denn ein Auto. Sondern seinem deutlich attraktiveren Vorgängermodell und dem eigentlichen Original, dem T1. Er ist ein multivariabler Elektro-Van mit bis zu acht Sitzen, zwei Kofferräumen und 4,90 Meter Länge. Genug Platz also, um die Koffer einer Großfamilie für den Urlaub in Italien zu verstauen und Platz für Surfbretter oder ein Schlauchboot gibt’s natürlich auf dem Dach.

Derselbe Charme, aber voll elektrisch mit 600 Kilometern Reichweite

© VW

 Der Bulli schluckte ordentlich, der ID Buzz hingegen zeigt sich modern, elektrisch und umweltfreundlich: 600 Kilometer fährt er, bis er wieder an die E-Zapfsäule muss. Damit Sie als Eltern nicht all zu oft das übliche „Wie weit ist es denn noch?“ von Ihren Sprösslingen hören müssen, lädt er 80 Prozent in 30 Minuten bei einer Ladeleistung von 150 kw auf. So lange sollte sich die Familie mit einer Bockwurst an der Tankstelle beschäftigen lassen. Ziemlich fantastisch übrigens: Zwar ist der Hauptladeraum hinten, damit Sie aber nicht allzu viel räumen müssen, können Sie auch vorne die Haube aufmachen und kriegen dort ebenfalls ein paar Koffer unter. Beim Bulli saß hier der Motor, da E-Motoren allerdings so herrlich klein sind, gibt’s mehr Platz für Spielsachen. Oder Surfklamotten, wenn die Kids bereits Teenager und junge Erwachsene sind.

Der freundliche Bulli mit den LED-Augen

 Audi und VW arbeiten ja schon länger an einem neuen Lichtkonzept, das den Straßenverkehr sicherer machen soll. Nicht nur witzig, sondern auch intelligent gedacht empfinden wir daher die zusätzlichen LED-Augen, die sich an der Stoßstange sowie hinten befinden. Ob der verbauten Sensorik und Technologie scannt der ID Buzz das Streckennetz und weiß bereits, bevor Sie blinken, wann Sie abbiegen müssen und zeigt das anderen Autofahrern an. Zudem soll die Lichtanlage mit Fußgängern kommunizieren, etwa, um ihnen zu versichern, dass es jetzt sicher ist, die Straße zu überqueren. Dass diese LED-Leiste aussieht wie ein lachender Mund, dürfte den Kids in der Familie besonders gut gefallen. 2022 soll der ID Buzz als E-Bulli zu kaufen sein, dann auch voll autonom fahrend. Sie haben es eventuell mitbekommen: In Kalifornien dürfen Autos mittlerweile komplett autonom fahren, bedürfen also nicht mehr der Hand am Lenkrad. In Deutschland sind wir noch lange nicht so weit, es dürfte also mehr eine juristische, denn technische Frage werden, ob Sie sich in Zukunft entspannt zurücklehnen und entspannen dürfen beim Autofahren oder nach wie vor aktiv die Hand am Lenkrad halten müssen.

Der Innenraum: das alte Bulli-Feeling, aber mit Hightech deluxe

 Der alte Bulli war ein Auto ohne Technik, mit mächtigem Schaltknüppel, dicken Ziffern auf dem Armaturenbrett und wenig Schnickschnack. Auf diese Philosophie setzt die Neuauflage ebenfalls, auch wenn das Interieur natürlich mit dem alten Bulli so viel zu tun hat wie ein Plattenspieler mit der federleichten Eleganz des neuen Samsung Galaxy S9 oder iPhone X. Reduktion ist angesagt, nur eben auf die futuristische Art: Wie bei Tesla arbeitet VW mit einem großen Tablet als Hauptdisplay. Wohl auch, um Kosten zu sparen, verzichtet man auf die üblichen OLED-Displayorgien, die die meisten anderen Hersteller auffahren und verlagert   lediglich einige weitere Informationen und Schalter auf das rechteckige, abgerundete, sehr anders wirkende Lenkrad. Es fühlt sich geschmeidig an, man hat eben weniger in der Hand. Zudem erfordert es weniger Handgriffe: Statt Hebeln, drücken Sie einfach kurz mit dem Daumen oder Zeigefinger auf das Touchfeld nach links oder rechts, schon werden die Blinker gesetzt. Die noch verfügbare Batteriekapazität wird detailliert als Graph, wie beim Tesla, auf dem Tablet angezeigt, aber auch als Lichtinformation durch LED-Bänder, die das Lenkrad umspannen. Diese sind ohnehin omnipräsent, Sie können ergo die Stimmung im Auto per Licht stark beeinflussen, was uns generell sehr gut gefällt bei den meisten neuen E-Modellen. Aber fühlt sich das noch nach Bulli an? Ja, erstaunlicherweise schon. Sie sitzen sehr hoch, wie auf einem Bock und blicken durch eine riesige Panoramascheibe. Es ist nur eben alles ein bisschen moderner, futuristischer, intelligenter. In der Türverkleidung verstecken sich kapazitive Felder, mit denen sich in sechs Zonen individuell die Klimafunktionen regeln lassen. Schwitzen ohne Klimaanlage wie damals auf der Fahrt in den Italienurlaub gehört dann ja doch eher zu den Features, die wir lieber der Vergangenheit überlassen.

Autor: Benjamin Kratsch