1.224 PS, 1.600 Nm Drehmoment, hat gerade erst einen La Ferrari vernascht: Der Rimac Concept One ist derzeit das schnellste Auto der Welt auf der Kurzstrecke und erdacht, designt sowie konzipiert wurde es von einem Deutschen: Mate Rimac, der deutsche Elon Musk aus Frankfurt, lebt heute in Zagreb und plant nach dem Mega-Marketing-Coup mit Amazons The Grand Tour sowie dem Auftrag von Aston Martin James Bonds Valkyrie zu bauen, bereits den nächsten Schlag: Rimac Concept Two wird auf dem Genfer Automobilsalon im März seine Weltpremiere feiern.

Wie es der Rimac Concept One in Amazons The Grand Tour geschafft hat

Wie kommt ein 22-Jähriger auf die Idee ein Elektro-Supercar zu bauen?

 „Ich bin ja halb Deutscher, halb Kroate. Aus Deutschland kommen starke Autos, aus Kroatien nicht. Ich wollte das gerne ändern, schließlich würde es ohne Nikola Tesla gar keine Elektronik geben, wie wir sie heute nutzen. Er entwickelte dieses Prinzip nicht weit von meinem jetzigen Wohnort. Ich war aber auch immer schon ziemlich besessen von Technologie: Mit 17 habe ich zahlreiche Wettbewerbe gewonnen, u.a. mit selbstgebauten E-Motoren. Ich kaufte mir einen alten 3er-BMW, baute ihn in ein Elektroauto um und habe damit an diversen Rennen teilgenommen.“ In der Tat steht Mate Rimac im Guinness-Buch der Rekorde als erster E-Rennfahrer, der in einem regulären Rennen gegen Verbrenner gesiegt hat. Bis zum E-Supercar-Traum namens Concept One war es aber noch ein weiter Weg, Rimac brauchte Geld und hatte eine brillante Idee: Aston Martin, Jaguar, Koenigsegg und andere europäische Luxushersteller kündigten Elektroautos sowie Hybride an, ohne eine eigene Batterieproduktion zu haben. Rica Automibili hatte die bereits. So kommt es, dass Mate Rimacs Team stark in die Entwicklung von James Bonds nächstem Aston Martin Valkyrie involviert wird.

Überraschend: Anders als Elon Musk ist Rimac kein Supercar-Multi-Millionär

980.000 US-Dollar kostet ein Rimac Concept One. Doch von den fast 800.000 Euro Anschaffungswert scheint zumindest aktuell nur ein schmaler Gewinn zu bleiben. Der Grund liegt in der langen Entwicklungszeit des Concept One, der bereits 2011 enthüllt, aber erst 2016 in sehr kleinen Stückzahlen ausgeliefert werden konnte. „Das ist nicht viel Zeit für ein Supercar, aber sehr hart für eine junge Firma. Ich habe mein geliebtes Motorrad sowie einige Patente verkaufen müssen, damit die Produktion nicht stockt. Diese dauert zudem vier Monate für ein Auto, weil wir 80 Prozent aller Teile selbst fertigen. Nur Bremsen, Sportgurte etc. kaufen wir hinzu.“ 300 Mitarbeiter hat Rimac Automobili mittlerweile. Sein Geld verdient die Firma nach wie vor eher mit Auftragsarbeiten für das Who-is-Who der Autobranche: Die Batterietechnik des auf Red Bulls Formel-1-Auto aufsetzenden Aston Martin Valkyrie, Koenigsegg Regera und die neue Jaguar-Reihe werden in Kroatien mitentwickelt.

„Einer unserer Concept Ones für Shows hing mehrere Monate im Zoll in Dubai fest“

Zudem passiere ständig irgendetwas Unvorhergesehenes: „Wir haben nicht viele Concept Ones für Shows, einer hing mehrere Monate in Dubai beim Zoll fest. Die Beamten hatten offensichtlich viel Spaß damit, der gesamte Radkasten war voller Sand. Alles kein Problem, aber wir haben wichtige Automessen verpasst, auf denen man immer kaufwillige Interessenten trifft.“ Laut Rimac komme es durchaus vor, dass ein Interessent seine Bank anruft und einen größeren Teil direkt bezahlt. Wir können das bestätigen: Auf dem Genfer Automobilsalon 2017 kaufte ein wohlhabender Kunde vor unseren Augen einen Bugatti Chiron und fuhr damit direkt vom Showfloor. Ein Auto, das für mehrere Millionen Euro gehandelt wird. Mercedes-Benz hat auf der IAA seinen neuen 2,7 Mio. Euro teuren Rennwagen mit Formel-1-Technik namens AMG Project One enthüllt und auch direkt ausverkauft. Selbst die Anzahlung von 1 Mio. für die Vorbestellung hat die Supercar-Klientel nicht abgeschreckt.

„Ich bewundere Tesla, bin aber kein Freund der Geheimniskrämerei der Branche“

Mate Rimac ist ein Ingenieur und CEO, der sich erst beweisen will, bevor er große Töne spuckt. Die Vergleiche mit Elon Musk machen ihn eher verlegen: „Wir bauen sehr ähnliche Autos von der Performance her, aber Tesla produziert sehr viel mehr Masse und entwickelt eher im Geheimen, wir sind hingegen sehr offen.“ Was ihn und Elon Musk jedoch verbindet ist die Liebe zur Do-It-Yourself-Werkstatt: „Wir brauchten Testapparaturen, um Batterien zu testen. Im Markt kosten diese 300.000 Euro. Das ist viel Geld, ergo haben wir lieber drei Monate investiert, um unser eigenes Labor zu bauen – für vielleicht 15.000 an Komponentenkosten. Das ist so die Philosophie von Rimac Automobili: Wir entwickeln sehr viele Komponenten und Testapparaturen selbst, die wir dann wiederum kommerziell vermarkten können, um die nächste Produktionscharge vorzufinanzieren respektive die Entwicklung neuer Modelle.“ Das Rimac Concept Two wird im März auf dem Genfer Automobilsalon seine Weltpremiere feiern. Es soll etwas komplett Neues werden: Mehr Performance, ein höherer Preis und ein echter Markenname werden erwartet. „Und ein paar Überraschungen, mit denen heute noch keiner rechnet,“ teast der junge Firmenchef.

Autor: Benjamin Kratsch