Audi zeigt auf der IAA nicht nur das Hier und Jetzt, den Audi A8 mit Level-3-Assistent, damit Sie zumindest bei Staus nicht mehr selbst ans Lenkrad greifen müssen. Sondern es wird auch die nahe Zukunft gezeigt – mit einer sehr sympathischen K.I.-Assistentin namens PIA. Pia trägt Termine per Stimmeingabe ein, bietet aber auch die Aktivierung der Massagefunktion in den Sitzen an und stellt automatisch, basierend auf unserem Geschmack, eine Musik-Playlist zusammen – schließlich möchte sie, dass wir nach einem harten Messetag ein bisschen entspannen. Diese zwei Ladys haben uns wirklich begeistert: Audi A8 und Aicon.

 

„Hallo, mein Name ist PIA. Basierend auf ihrem Terminkalender hatten Sie heute viele Meetings, ich habe mir erlaubt, eine Musik-Playlist zur Entspannung für Sie anzulegen.“ Das ist doch mal eine nette Begrüßung, als wir in die Weltpremiere Audi Aicon einsteigen. „Bitte schauen Sie auf den Touchscreen, bestätigen per Stimmeingabe oder ordnen die Reihenfolge neu. Ich würde Ihnen sehr gerne diesen neuen Künstler ans Herz legen, der zu ihrem Geschmack passen dürfte.“ Einmal kurz per Stimme bestätigen, schon kommt Musik aus den Boxen. „Wünschen Sie Ihren Sitz in eine Liegeposition gesenkt zu bekommen? Und darf ich sonst etwas für Sie tun, vielleicht einen Tisch in Ihrem Lieblings-Sushi-Restaurant reservieren? Laut Bordcomputer könnten wir es in 20 Minuten erreichen.“

PIA ist schon etwas Besonderes. Der Name leitet sich von Personal Intelligence Assistent ab. Sie ist quasi die Alexa eines Autos, das in Zukunft vollständig autonom auf Level 5 fahren soll, ein Lenkrad ist nicht mehr vorgesehen. „Und selbstverständlich ist der Antrieb voll elektrisch“, betont Audis CEO Rupert Stadler. „2025 wird jeder dritte ausgelieferte Audi elektrisch fahren und noch vor diesem Datum werden wir 20 Elektro-Autos in unserer Flotte haben.“ Klares Commitment zu Elektro-Energie von Audi also, 10 Milliarden Euro Investition sind vom Management geplant.

Eine Lounge auf Rädern

Die Aicon-Produktlinie ist voll auf Komfort und Luxus ausgelegt, sie ist eine Lounge auf Rädern. Der

Audi Aicon (Bild: Audi)

Audi Aicon (Bild: Audi)

Sitz fährt auf einer Art Schiene weit nach hinten und wird in eine Liegeposition gekippt, man möchte es ja gemütlich haben. Sie sind von den guten, alten Lounge-Chairs inspiriert, beim Platzangebot reden wir durchaus vom Komfort einer First Class, wie sie etwa bei Lufthansa zu finden wäre. Entsprechend groß ist auch das Auto: 5,44 Meter Außenlänge, 2,10 Meter Breite und 1,50 Meter Höhe. Audi plant also mit der Länge einer S-Klasse oder eines A8, aber statt Fahrer, Beifahrer und zwei Fahrgästen, eben nur mit zwei Passagieren (theoretisch gibt es auch eine Rückbank für zwei weitere Passagiere, dann ist der Komfort allerdings eingeschränkt). Unser Autor ist mit 1,86 m Körpergröße nicht der kleinste Mann von Welt, konnte aber bequem die Beine ausstrecken und hätte auch ein Nickerchen halten können.
Denn in der Tat ist Lady Aicon als erstes Konzept komplett ohne Lenkrad geplant. Es gibt nur eine durchgehende Touchscreen-Leiste, das Auto fährt aber ausschließlich selbst. Und das erstaunlicherweise nicht besonders schnell. Marc Lichte, Designchef von Audi hat ja schon mehr als einmal gesagt, dass er davon ausgeht, dass es auch in der Zukunft Performance-Enthusiasten geben wird, wir aber tendenziell lieber länger fahren werden, mit drastisch erhöhtem Komfort.

Rein elektrisch und mehr auf Wellness denn Performance getrimmt

„Der Grund, warum wir lange Strecken mitunter als anstrengend empfinden, gerade auch als Beifahrer, liegt im ständigen Abbremsen und Beschleunigen“, erklärt Lichte. Sein Team möchte diesen Zustand möglichst minimieren, weshalb man sich beim Aicon vorerst für eine niedrige PS-Zahl von 354 entschieden hat und die E-Lösung auch eher auf Reichweite denn Performance getrimmt wird. 800 Kilometer bei einer Durchgeschwindigkeit von 130 km/h sind geplant. Dafür hat man eine neue Festspeicherbatterie entwickelt, die im Unterflurbereich integriert ist. Es gibt zudem vier Elektromotoren, die mit jeweils 260 kW und 550 Newtonmetern Drehmoment pro Rad angetrieben werden. Es geht hier weniger um Performance, als vielmehr um Wellness. Arbeiten alle Räder mit derselben Leistung, gleitet das Auto nur so dahin. Luftfeder- und Dämpfereinheiten kompensieren zudem Unebenheiten auf der Straße. Ebenfalls spannend: Weil wir eher sehr bequem liegen und unseren Körper nicht aufrecht setzen wie im klassischen Sinn, hat man sich für durchsichtige LED-Folien entschieden.

Sie können prinzipiell rausgucken, aber auch in der Liegeposition im Panoramadach Fotos aus dem letzten Urlaub anzeigen lassen, PIA analysiert dabei auf Wunsch die Bilder nach ihrer Kolorierung und unterlegt passende Klänge. Natürlich können Sie auch einfach einen Film schauen, fahren muss ja keiner mehr. Doch so sehr uns die Aicon-Studie fasziniert, es wird nicht leicht, dem TÜV zu erklären, warum Wellness-Lounge-Chairs wichtiger sind als Sicherheit. Denn wenn sich der Sitz im Auto um mehr als einen Meter nach hinten verschieben lässt, würde im Extremfall der Front-Airbag nicht mehr schützen. Audi geht davon aus, dass wir die Sensorik bis 2027 so weit verfeinert haben, dass es ohnehin keinerlei Unfälle mehr gibt. Nun, wir reden in zehn Jahren noch mal. Bereits Ende 2017 haben technologieverliebte Fans von Luxus-Limousinen eine schöne Alternative: den Audi A8.

Audi A8: Den Level-3-Chaffeur gibt’s schon jetzt

Die Zukunft beginnt schon dieses Jahr: Die Luxus-Limousine Audi A8 2017 ist als erstes

Serienfahrzeug der Welt für hochautomatisiertes Fahren Level 3 konzipiert. Sie drücken auf den sogenannten Audi-AI-Button, schon übernimmt das Auto und mimt den Chauffeur. Wir sprechen hier wohlgemerkt nicht einfach nur von Spurhalteassistenten, sondern wirklich autonomen Fahren:

Audi A8 (Foto: Audi)

Audi A8 (Bild: Audi)

Der A8 überholt zuverlässig auf der Autobahn und ordnet sich auch brav wieder in der Mitte ein. Zumindest wenn Sie nicht selbst fahren wollen. Alternativ lassen Sie ihn nur überholen, greifen ans Lenkrad, drücken aufs Gas und die Künstliche Intelligenz wird deaktiviert – Sensoren im Lenkrad reagieren auf Druck.
Interessant ist auch der Stau-K.I.-Assistent: Wenn’s mal stockt, können Sie einfach die Audi-AI aktivieren, nehmen die Hände vom Steuer, das Auto fährt selbstständig bis 60km/h, schneller ist nicht erlaubt.

Deshalb ist im A8 auch ein großes Display in der Mittelkonsole verbaut, über einen TV-Tuner können Sie Fernsehen schauen oder das Mobilfunksignal Ihres Smartphones nutzen, um zu streamen. „House of Cards“, während die Limousine selbst fährt? Da fühlt man sich doch gleich ein bisschen mehr wie Kevin Spacey.

Kleiner Wermutstropfen: Das autonome Fahren mit Level 3 soll erst 2019 per Software-Update freigeschaltet werden, weil die EU erst noch die rechtlichen Rahmenbedingungen setzen muss. Im Gegensatz zur USA: dort ist Level 3 bereits erlaubt. Zudem bewegen wir uns hier in der gehobenen Preisklasse ab 84.000 Euro, vorerst kommen also nur Luxus-Kunden von Audi in den Genuss der Chauffeurs-K.I.

 

von Benjamin Kratsch