Die Idee ist ebenso einfach wie bestechend. Warum, so fragte sich ein Start-Up aus Essen, sollten Besitzer einer privaten Wallbox ihren Strom nicht auch anderen E-Mobilisten zur Verfügung stellen dürfen? Gegen Bezahlung, versteht sich. Die gesetzlichen Grundlagen dafür gibt es – nun sind auch die technischen Voraussetzungen marktreif. Das in Essen ansässige Unternehmen Motionwerk GmbH hat mit seinem ersten digitalen Produkt Share&Charge App die Vernetzung von E-Mobilisten und Ladestationen deutschlandweit ermöglicht. Und innogy ist der erste Stromversorger, der an das System angebunden wurde, neben diversen privaten und halb-öffentlichen Ladestationen.

Der Gedanke hinter dem Konzept stammt aus der Welt der Sharing Economy. Was ich besitze, aber gerade nicht nutze, kann ich doch problemlos auch anderen zur Verfügung stellen. Wendet man diesen Gedanken auf die Elektromobilität an, so ist der Schritt hin zu der öffentlichen Nutzung privater Wallboxen gar nicht so groß. In der Praxis sieht das dann in etwa so aus. Ich bin mit meinem Elektroauto unterwegs und suche eine Lademöglichkeit in der Nähe. Die App zeigt mir an, dass in der Umgebung eine Wallbox in einer Garage steht, die ich nutzen kann.

Man fährt also die private Stromtankstelle an, während des Ladevorgangs wird im Hintergrund der Applikation ein Vertrag zwischen dem Besitzer der Wallbox und mir geschlossen, der geladenen Strom wird anschließend von meinem Konto abgebucht – in Form einer virtuellen Währung (Krypto-Euros). Extrem praktisch. Für den Besitzer einer Wallbox öffnet sich damit eine einfache Möglichkeit, die Investition in die Anlage zumindest in Teilen zu refinanzieren. Und für die Elektromobilität als Ganzes ist der Gedanke ebenso verlockend: Das Netz an Ladestationen verdichtet sich auf diesem Wege ganz massiv. Und das ohne staatliche Investitionen und bürokratische Hürden.

Der Gedanke, private Ladesäulen öffentlich zugänglich zu machen, ist indes nicht neu. Vergleichbare Angebote gibt es bereits in Österreich, Schweden oder Kanada. Das Revolutionäre an Share&Charge ist das Abrechnungssystem im Hintergrund. Es nutzt die Blockchain-Technologie, auf der auch die Krypto-Währung „Bitcoin“ basiert.

Der Mitgründer von Share&Charge, Dietrich Sümmermann, hat eine klare Vorstellung von der Zukunft der Autos: Sie ist elektrisch, autonom und folgt dem Sharing-Konzept: “Die gesamte Marktstruktur der Automobil- und daran angrenzender Energieindustrien befindet sich im Wandel. Brauchte es für Benziner noch eine Tankstelle, sind solche Infrastruktur-Monopole bald nicht mehr notwendig. Stattdessen können hunderte von Steckdosen diese Aufgabe übernehmen. Und die werden nicht über wenige ausgewählte, sondern über viele Einzelne dezentral zur Verfügung gestellt.” Er betont: “Wir wollen den Menschen und Unternehmen Instrumente an die Hand geben, um aktiv an der Zukunft der Mobilität mitzubauen.”

Die gemeinsam mit vielen E-Mobilisten entwickelte App ist eine offene Plattform für Besitzer von Elektroautos und Besitzer von Ladestationen. Ob Privatpersonen oder Gewerbetreibende, jeder bestimmt den Tarif für das Parken und Laden selber. Die Fahrer von Elektroautos bekommen die nächste Lademöglichkeit in ihrer Umgebung ebenso wie den Tarif auf einen Blick angezeigt. Die App regelt auch die Bezahlung: Dank des europaweit ersten Einsatzes der Blockchain-Technologie bietet Share&Charge allen Teilnehmern ein transparentes und sicheres Zugangs- und Bezahlsystem.

Weitere Informationen unter https://shareandcharge.com