AMG Project One: Lewis Hamiltons Hypercar-Traum mit Formel-1-Motor

Mercedes-AMG Project One: 1.200 PS, Karbon-Keramik-Bremsanlage, aggressive, flache Scheinwerfer, U-förmige Flaps, riesige Lufteinlässe und eine Aerodynamik, die selbst Formel-1-Profi Lewis Hamilton ins Schwärmen bringt. Der Luftstrom zieht einmal komplett über die Fahrerkapsel, in die Luftöffnung, zum V6-Hybrid-Motor. Und genau der ist das große Highlight dieser Weltpremiere der IAA 2017.

„Es ist derselbe Motor, den wir im 2015er-McLaren verwendet haben. Der, mit dem ich Weltmeister wurde“ erzählt Formel-1-Star Lewis Hamilton, der den AMG Project One maßgeblich mit konstruiert, erdacht und designt hat. Wenn der 1,6-Liter-V6 an seine Leistungsgrenzen kommt, dann explodiert förmlich der elektrische Turbolader mit 90 KW an der Hinterachse, der wiederum unterstützt wird von einem Elektromotor mit 120 KW. Gesamt-elektrische Leistung: 540 KW, summiert mit dem V6 auf 1.200 PS.
Extremes Auto, extreme Werte, extremer Preis: 2,7 Millionen.

Von 0 auf 200 in sechs Sekunden: der Großangriff auf Bugattis Chiron

Die Werte des AMG Project One bringen Hypercar-Fans zum Schwärmen: 1,6-Liter-V6-Turbo mit 1000 PS, 11.000 Umdrehungen pro Minute. Ein elektrischer Turbolader verdichtet die Ansaugluft für den V6 mittels Nockenwellen, auf der sich der erste von vier Elektromotoren befindet. MGU-H heißen die Monster, Motor Generator Unit Heat. Ihr Job: Sie sollen Turbolöcher stopfen. So können Fahrer, wenn sie es wollen, aus ihrem Geschoss noch ein bisschen mehr konstante Leistung herauskitzeln.

350 km/h sind problemlos drin, von 0 auf 200 schafft es der Project One in sechs Sekunden – bis zum Launch in 2019 will man diesen Wert noch nach unten korrigieren.

Da dürfte Bugatti aufhorchen: Der Chiron, das schnellste Straßenauto der Welt hält aktuell den Weltrekord von 6,5 Sekunden. Elektromotoren sind generell der Renner auf der IAA 2017, denn Verbrenner fallen in ein Turboloch, E-Antriebe hingegen können ziehen, bis die Batterie leer ist. Nicht jeder E-Motor hat jedoch denselben Zweck: Der MGU-K, Motor Generator Unit Kinetic, wandelt kinetische Energie beim Bremsvorgang in Strom um. Je schneller Sie fahren und härter Sie bremsen, umso mehr Energie wandert zurück in die Batterie.
Ein System, dass ursprünglich für die Formel 1 erdacht wurde und jetzt auch erstmals in einem Straßenfahrzeug Anwendung findet.

Lewis Hamilton mit dem "Project One" und Mercedes Chef Dieter Zetsche. (Foto: Mercedes-Benz)

Lewis Hamilton mit dem „Project One“ und Mercedes Chef Dieter Zetsche. (Foto: Mercedes-Benz)

Vier E-Motoren jagen den V6 auf 1.200 PS für 2,7 Millionen

Hybride sind im Hypercar-Segment der Trend schlechthin: Noch können E-Motoren keine 1000 PS von sich aus liefern, aber die Kombination macht es. Während beim McLaren W08, Lewis Hamiltons aktuellem Dienstwagen lediglich zwei E-Maschinen ihren Job leisten, hängt AMG beim Project One auch an die Vorderachse zwei potente E-Motoren mit jeweils 120 KW. Potentiell wäre damit das Auto sogar schneller als ein Formel-1-Wagen, wird aber von Haus aus runtergeregelt: Der Motor kann bis zu 13.500 Umdrehungen leisten, allerdings halten die in der Formel 1 auch nur 4000 Kilometer, danach müssen sie raus. Das wäre ärgerlich: Fahren Sie ein paar Mal die Strecke München Berlin, wäre ein Motor-Tausch fällig.

Die werden alle per Hand gebaut und optimiert, deshalb müssen Vorbesteller auch noch so lange warten. Von denen wird ohnehin viel verlangt: Satte 2,7 Millionen Euro kostet der AMG Project One. Wer einen haben wollte, der musste auf einem speziellen VIP-Kunden-Event im Rahmen der IAA bereits die Kreditkarte zücken und 1 Mio. vorab zahlen. Hypercar-Anbieter können es sich leisten wählerisch zu sein: Ferrari etwa sucht sich seine Kunden selbst aus, auch Aston Martin möchte vorher wissen, was der Kunde sonst so für Fahrzeuge im Fuhrpark hat. Laut Mercedes-CEO Dieter Zetsche hatte man keinerlei Probleme, den AMG Project One zu verkaufen.

275 Stück werden gebaut, 274 Stück sind bereits verkauft. Einen bekommt Lewis Hamilton. Ob als Bonus kostenfrei als Dienstwagen gestellt von Daimler, weil er bei der Entwicklung hilft oder bezahlt, ist nicht bekannt. „Ich hätte ganz gerne den Ersten, kriegen wir hin, oder?“ scherzte Hamilton auf der Bühne von Daimlers Pressekonferenz.

von Benjamin Kratsch