Skeptiker hatten es nach dem Dieselgipfel schon geahnt, nun hat das Umweltbundesamt mit einer eigenen Berechnung die Vermutungen bestätigt: Softwareupdates für alte Dieselmotoren alleine reichen hinten und vorne nicht, wenn die Stickoxidbelastung in den Innenstädten signifikant reduziert werden soll. Und signifikant reduzieren bedeutet lediglich, die Belastung in Dimensionen zu halten, die der Gesetzgeber vorsieht.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat am Dienstagvormittag mit der Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger, eine Untersuchung zu den beim Dieselforum beschlossenen Sofortmaßnahmen vorgestellt. Dabei kommen die Experten zu dem Schluss, dass sich mit den von der Autoindustrie vorgeschlagenen Maßnahmen „in kaum einer Stadt die Luftqualität verbessern“ würde.

Bekennen Sie Farbe und legen Sie ebenso wie Frankreich oder Großbritannien ein konkretes Enddatum für den Ausstieg aus dem fossilen Verbrennungsmotor fest“, fordern deshalb die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), ist sicher, dass „die Automobilindustrie den Schuss noch nicht gehört hat“. Er sagt: „Solange die Industrie weiter für ihr Recht auf billige, schmutzige Diesel kämpft, schaufelt sie sich ihr eigenes Grab.“

Die Luft für den Diesel wird immer dünner

Am heutigen Mittwoch kündigte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine regelrechte Klagewelle an. 45 Städte und Kommunen in Deutschland, so berichten unterschiedliche Medien übereinstimmend, müssten sich auf eine formale Klage einstellen. „Wir möchten, dass die zuständigen Behörden schnellstmöglich wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen, damit die Luftqualitätsgrenzwerte eingehalten werden und die Umwelt und die Gesundheit der Menschen geschützt werden“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, einem Interview auf der Homepage der DUH.

Dabei wäre die Lösung an sich ganz naheliegend. Statt Millionensummen in die Entwicklung neuer, vermeintlich sauberer Verbrennungsmotoren zu investieren, müsste die Industrie alle Energie für die Fortentwicklung der Elektromobilität verwenden. Prof. Ferdinand Dudenhöffer gibt sich zumindest ein wenig optimistisch. Er rechne damit, dass die deutschen Autobauer den Umstieg zur Ära der elektrischen und automatisierten Autos schaffen werden. “Seit zwei Jahren gibt es einen großen Umdenkprozess, und man läuft der Zeit hinterher“, sagt Dudenhöffer. Man werde Fahrzeuge 2019, 2020 haben, die Tesla schon heute hat.