Erinnern Sie sich noch an die explosive Ära der Bond-Cars? Dramatische Momente, in denen Pierce Brosnan über gefrorenes Eis gebrettert ist, aus dem Unterboden Minen ausgeklinkt und dem Kofferraum Granaten abgeschossen hat? Nun, diese Zeiten bringt der Aston Martin Valkyrie wohl nicht zurück, Daniel Craig ist ja eher ein unterkühlter Bond. Wohl aber die Explosivität im Design, denn nicht nur von Außen, sondern auch im Herz schlägt echte Formel-1-Technik von RedBull-Guru Adrian Newey mit 1130 PS. Ob Craig ihn wohl in “James Bond Codename 25“ fahren wird? Der 49-jährige Superbrite macht’s noch einmal, hat er gerade erst in der Show von Stephen Colbert verraten.

 

Das Traumprojekt des Red Bull Formel-1-Ingenieurs

Der Aston Martin Valkyrie ist ein wahrgewordener Ingenieurs-Traum von Red Bulls Adrian Newey:
Extrem flaches Teardrop-Gehäuse, wie in einem Kampfjet. Nichts soll das Sichtfeld stören, alles direkt erfassbar sein. In das Auto steigen Sie über eine Dachkapsel, legen sich hin, gurten sich an, greifen das Lenkrad und schalten auch direkt darüber.
Es hat die gleiche Form wie in der Formel 1, allerdings in der Luxusedition:
Feines Leder, vergoldete Kippschalter, ein OLED-Display in der Mitte als einzige Armatur. Dieses Geschoss ist nicht gebaut für den Sonntagsausflug ins Grüne oder die Fahrt in den Nobel-Club, sondern die Autobahn oder besser noch Rennstrecke: 1130 PS, 402 km/h Spitze. Damit rauchen Sie jeden Lamborghini da draußen, auch weil der Valkyrie extrem leicht gebaut ist: 1030 kg, satte 400 weniger als ein Lamborghini Aventador.

Der extremste Aston Martin, der je gebaut wurde

Das Überraschendste an diesem Hypercar? Dass Aston Martin drauf steht.

Aston Martin Valkyrie Innenleben

Aston Martin Valkyrie Innenleben

Die Briten stehen für Understatement, die letzten Bond-Cars, die es auch in die reale Welt geschafft haben, waren vom Komfort her eher gebaut wie ein Porsche.
Wunderschöne Fahrzeuge ohne Frage, aber gebaut für die Stadt. Zwar tief gelegt, aber angenehm gebettet. Mit klassischer Schaltung, Leder überzogenen Armaturen.

Aus dem Valkyrie schauen Sie eher wie aus einem Raumschiff, mit dieser riesigen Kapsel und den eher dezenten Elementen. Zwei Screens gibt’s, jeweils als Anzeige für alle Aston-Martin-Funktionen – Routenplaner und was man so braucht.

Und einer für Red Bull Advanced Technologies, um aus dem Hypercar noch mehr Power rauszukitzeln. Wobei der Valkyrie schon so extrem designt ist, dass man sich fragt, wo die Reise noch hingehen kann bei den Hypercars.

Der Einstieg von Aston Martin und Red Bull in die Königsliga ist extrem spannend, weil sie einen komplett anderen Ansatz verfolgen als die Konkurrenz von Lamborghini, Pagina, Ferrari, Bugatti & Co. Extrem flache Haubenform, fast schon wie bei einem Katamaran. Riesige Venturi-Tunnel verlaufen auf beiden Seiten des Cockpit-Bodens, die riesige Luftmengen unter dem Wagen durchziehen und damit den hinteren Diffusor füttern

Das erste eHypercar für eine neue Bond-Ära

Aston Martin und Red Bull bedienen sich bei der E-Einheit desselben Konzepts, das schon den Porsche 918 zu so extremen Beschleunigungen verholfen hat: 5,9 Liter V12 als Hauptmotor mit 1000 PS plus 130 PS E-Motor. Doch die sind letztlich entscheidend:

Während Verbrenner deutlich länger brauchen, um hochzudrehen, kann ein Elektromotor direkt mit voller Kraft zupacken. Zudem überhitzen E-Motoren nicht, das Auto kann also über einen langen Zeitraum auf Spitze gefahren werden. Allerdings wohl nur auf der Rennstrecke, denn bei 400 km/h noch auf andere Verkehrsteilnehmer zu reagieren, dürfte schwierig werden. Und natürlich ist das Auto wie gemacht für James Bond. Wer Spectre gesehen hat, der weiß, dass 007 endlich mal wieder ein extremeres Dienstfahrzeug braucht. Der DB10 ist ohne Frage vom Design her ein schönes Auto, gerade weil sein Body so herrlich fließt.

Aber vom Fahrgefühl her viel zu bodenständig für den besten Geheimagenten, den Hollywood je gesehen hat. Wir würden es begrüßen, wenn die Macher mal wieder ein paar Gadgets einbauen: Die großen Scheinwerfer im Formel-1-Stil mit ausfahrbaren Raketen, vielleicht ein paar Maschinenpistolen an der Seite. Valkyrie steht schließlich für Odins Walküren, die in der Schlacht entschieden, wer leben und wer sterben sollte.

Und vom Cockpit her sieht der Valkyrie ohnehin aus, als könnte er auch als U-Boot auf Tauchstation gehen. Erinnern Sie sich noch an den Lotus Esprit S1, den Meister-Ingenieur Q liebevoll “Wet Nellie“ getauft hat, aus „Der Spion, der mich liebte“? Eine große Ära für Bond und seine Autos.

 

von Benjamin Kratsch