In Chinas vollgestopften Straßen sind sie seit Jahren nicht mehr wegzudenken, hierzulande will der E-Roller noch nicht so recht durchstarten. Doch Branchenkenner sind sich sicher, dass die Zeit für das leise surrende Zweirad auch bei uns kommen wird und das liegt nicht zuletzt an Sharing-Anbietern.

 Zugegeben, das italienische Flair des Knatterns über den Asphalt fehlt beim E-Roller, dafür ist er aber ebenso sparsam in puncto Betriebskosten und gänzlich frei vom Emissionsausstoß. Das praktische Aufladen an jeder Steckdose und die leichte Parkplatzsuche machen ihn damit eigentlich zum perfekten Begleiter des modernen Großstadtmenschen. In China sind mittlerweile 200 Millionen E-Scooter unterwegs, bei uns sind es nur geschätzte 20.000. Aber die Tendenz ist steigend.

Verbot und Boom in China

Ganz unumstritten sind die elektrischen Zweiräder allerdings auch im Reich der Mitte nicht, da sie für zahlreiche Unfälle sorgen. Die chinesische Regierung versuchte in vergangener Zeit öfter, mit Fahrverboten auf Hauptverkehrsstraßen wie in Peking die Unfallgefahr zu bannen. Wegzudenken sind E-Roller dort dennoch nicht, denn wirtschaftlich kommt ihnen eine große Bedeutung zu: Lieferdienste von Online-Shops und Restaurants bauen ihr Transportnetz mancherorts ausschließlich auf die günstigen und schnellen Flitzer.

 Förderung als Kaufanreiz

Auch wenn es auf unseren Straßen noch nicht so zugeht wie in China, so liegen für Deutschland die praktischen Vorteile klar auf der Hand. Mit den rund 50 Kilometern, die eine Akkuladung hergibt, ist innerstädtisch fast jedes Ziel zu erreichen. Dafür ist der E-Rollerfahrer nur mit 45 Kilometer pro Stunde unterwegs. Je nach Variante kosten Scooter zwischen 1.800 und 2.800 Euro. Um die Abgaswerte zu senken, wird der Kauf eines E-Rollers vielerorts gefördert. So übernimmt die Stadt München sogar ein Viertel des Kaufpreises. Eine Haftpflichtversicherung liegt bei etwa 60 Euro pro Jahr, fehlt eigentlich nur noch ein normaler Autoführerschein und ab geht die Fahrt auf leisen Sohlen.

Sharing in Berlin und Hamburg

An die Zukunft der E-Scooter glaubt auch der schwäbische Zulieferer Bosch, der Motoren für die Roller fertigt und zudem seit vergangenem Jahr mit „Coup“ einen Sharing-Dienst für die Zweiräder anbietet. „Um mit einem kleinen Elektrofahrzeug flexibler im Stadtverkehr unterwegs zu sein, braucht man nicht unbedingt ein eigenes Gefährt vor der Haustür, denn Teilen ist Trend“, sagt Markus Heyn, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. 1.000 Roller bietet Coup in Berlin an, das Prinzip funktioniert ähnlich wie beim Carsharing. Mit einer Smartphone-App wird der Roller gefunden und nach Ende der Fahrt wieder woanders abgestellt. Berechnet wird die Nutzungsdauer. Konkurrenz bekommt die Bosch-Tochter mittlerweile auch von dem Anbieter emmy, der neben Berlin auch in Hamburg, Stuttgart und Mannheim im Einsatz ist. Einfacher geht eine Probefahrt jedenfalls wohl kaum.