Schon schön, wie das blitzt und blinkt. Chrom-Armaturen haben auch im Jahr 2017 noch eine magische Anziehungskraft. Sie versprühen Luxus, Stil, die Dekadenz der rauschenden 20iger. Mit dem Bentley EXP12 Speed 6e werden Erinnerungen an große Filme wie The Great Gatsby, vielleicht eine der besten Rollen Leonardo DiCaprios, wach. Ein Milliardärs-Junggeselle feiert die pompösesten Partys New Yorks, nur um seine Jugendliebe wiederzufinden. Romantisch. Auch der Bentley Speed 6e ist das perfekte Date-Car, um vorm Edelitaliener in München und Hamburg vorzufahren. Es ist der wohl eleganteste Elektro-Roadster, in dem Think-E je Platz nehmen durfte. Und das Design stammt von einem Deutschen.

Das Design: Retro-Luxus trifft auf Hightech

Bentley schwimmt gegen den Strom und will sich nicht der cleanen Sport-Ästethik anschließen, die gerade en vogue ist. In Zeiten, in denen selbst ein Rolls-Royce Dawn Cabrio ein eher gewöhnliches Interieur mitbringt, ist es schön, wenn Bentley klotzt, statt kleckert: Halbschalen-Lenkrad, gefasst in bordeauxrotes Leder. Verchromte Schalthebel, aber doch mit integrierten Touch-Elementen. Die Lautstärke lässt sich über ein Wischen nach oben oder unten anpassen, Sender und Songs ebenfalls via Berührung des Lenkrads ändern. Retro-Luxus trifft hier auf moderne Technik, nur stilvoller verpackt als bei vielen Konkurrenten.
Statt drei kleine Touchscreens zu verbauen, zieht sich ein großes Panel in geschwungener Form über Teile des Lenkrads. Das Schwarz harmoniert mit dem tiefen Rot-Ton, in der Mitte prangt groß wie ein Ritteremblem das Bentley-Logo. Die britische Manufaktur hat ja schon immer das Extreme und Extravagante zelebriert.

Foto: Bentley

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Elektro-Stromer vom Typ extravaganza

So ein knackig proportionierter Roadster mit royalem Charme und Luxus dürfte seinen Preis in Regionen jenseits der 150.000 Euro haben, aber die Branche braucht auch diese Weckrufe. Elektromobilität gilt gerade unter Fans von sportlichen Fahrwerken immer noch als nicht besonders sexy, es wird Zeit, das zu ändern. Bentley-Fans jedenfalls können gar nicht erwarten, den Speed 6e auf der Straße zu erleben.
Nach dem bulligen Continental GT Speed wird es mal wieder Zeit für sportliche Schnitte aus der Feder von Stefan Sielaff, der dem ersten Elektro-Stromer der Briten ein atemberaubend schönes Blechkleid kreiert hat: Die extrem flache Schnauze verspricht Bissigkeit, trotzdem ist das Auto sehr filigran gebaut und voll auf Aerodynamik getrimmt. 21-Zoll-Pirelli-Slicks gelten als gesetzt, wie immer werden bei der Manufaktur handgearbeitete Reifen verwendet, man kennt ja seine anspruchsvolle Klientel. Und die will in der heutigen Zeit nicht nur Luxus, sondern auch Technik, die sexy verpackt ist.
Während Tesla versucht, Minimalismus wieder en vogue zu machen und mit sehr ausladenden Displays arbeitet, hat Sielaffs Team die komplette Mittelkonsole aus einem Stück gebogenen Glases/Glas’ gefertigt. Das lang gezogene OLED-Display ist so ausgerichtet, dass sowohl Fahrer als auch Beifahrer einen guten Blick darauf haben.

Displays mit Diamant-Touch als neuer Trend

Die Luxusindustrie entdeckt gerade Displays für sich. TAG Heuer hat mit der Connected Modular 45 gerade erst einen Smartwatch-Hit gelandet, weil auch die anspruchsvolle Klientel gerne Designs durchwechselt. Ein OLED-Display erlaubt es, Farbgebung und Temperatur anzupassen, dem Auto einem eher futuristischen Look zu geben oder es im Einklang mit dem royalen Interieur zu bringen. Im vorgestellten Design sieht das Glas aus als wäre es von einem Diamanten umrahmt, der nach innen abstrahlt.
Anzeigen für Temperatur, Sportergebnisse o.Ä. werden in einer Art Uhrenform dargestellt – so als würden vier Chronographen auf der Mittelkonsole prangen. Das zieht sich bis zu den Hauptarmaturen durch: Diese sind mit Chrom umrahmt, erinnern vom Design aber auch an überdimensionierte Chronographen einer Edelmanufaktur. Über das Touchdisplay können Sie die Performance auswählen: Sport entfesselt die volle Leistung ab 500 PS, wobei es wohl wie gewohnt mehrere Konfigurationen geben dürfte.

Die Komforteinstellung hingegen achtet auf eine ausgewogene Balance aus Power und Energieverbrauch. Bentleys ehrgeiziges Ziel: 500 Kilometer soll der Speed 6e problemlos schaffen. Einblenden lassen sich hier auch Termine für Abendessen, Abflugzeiten etc. – das Auto als persönlicher Assistent wird immer beliebter.

Beeindruckend: Über das Fahrzeug lassen sich auch direkt Tische im Restaurant reservieren, sollten Sie Ihr Date noch ein bisschen mehr beeindrucken wollen. Das Fahrzeug lernt so, wo Sie am liebsten speisen und macht in Zukunft direkt Vorschläge während der gefahrenen Route. „Was wir vor 20 Jahren noch in Science-Fiction-Filmen gesehen haben, können wir heute verwirklichen“, sagt Design Director Sielaff. „Es ist dabei allerdings essentiell, Technik, Material und Formen harmonisch ineinander überfließen zu lassen. Die Ästhetik unseres Exterieurs und Interieurs wird immer dominiert sein von Eleganz. “

von Benjamin Kratsch