Im April 2017 gab es einen Feinstaub-Alarm in Stuttgart, die Werte waren bei starkem Wind in einen gesundheitsschädlichen Bereich vorgedrungen. Immer wenn ein Verbrennungsmotor läuft, stößt er Staub, Ruß und ultra feine chemische Partikel aus, die eine Gefahr für Lunge, Herz und Gefäße darstellen. Lungenfachärzte und Kardiologen arbeiten bereits seit Jahren an Studien und haben festgestellt: Regionen mit hohen Feinstaub-Belastungen haben eine höhere Rate an Herzinfarkten zur Folge. Das Land Baden-Württemberg reagierte sofort, doch was können wir mittelfristig tun, um die Gefahr zu minimieren?
35.000 Menschen sterben laut Bundesärztekammer jedes Jahr an den Folgen von Feinstaub.

 

1. Öfter Busfahren, mehr E-Busse für deutsche Städte

Die Stadt Stuttgart und ihre Verkehrsbetriebe reagierten vorbildlich. So wurde ein allgemeines Fahrverbot in der Innenstadt für mehrere Tage erlassen, zeitgleich aber auch die Preise für den öffentlichen Nahverkehr reduziert: Erwachsene durften mit einem Kinderticket fahren, sparten also 50 Prozent. In einer Kampagne wurde zudem die Bevölkerung aufgeklärt: „Ein Auto ist in Stuttgart im Durchschnitt nur mit 1,28 Personen besetzt, bitte bilden Sie außerhalb von Feinstaubalarm-Zeiten Fahrgemeinschaften. Wer die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten oder von flexiblen Arbeitszeiten Gebrauch zu machen, sollte dies bei Feinstaubalarm in Absprache mit dem Arbeitgeber tun.“

Einzig damit ist es nicht getan: Am Beispiel Stuttgart zeigt sich, dass trotz gefährlicher Werte aktuell nur zwölf von 250 Bussen mit Hybrid-Motoren ausgerüstet sind. Die Spitze in Deutschland bildet nach Kraftfahrtbundesamt Köln mit acht reinen E-Bussen. Insgesamt sind in ganz Deutschland nur 458 Strom betriebene Modelle im Einsatz. Zu wenig, bei 78.345 zugelassenen Bussen. Schließlich geht es um Deutschlands Gesundheit, 35.000 Menschen sterben jährlich laut Statistik der Bundesärztekammer an den Folgen von Feinstaubbelastung, Dreieinhalb Millionen sind es auf die ganze Welt gerechnet. Mercedes hat jetzt einen E-Bus vorgestellt, der autonom fährt und mit Ampeln kommuniziert.

2. Daimlers E-Initiative: der Mercedes-Benz Future Bus

Aktuell gibt’s nur sehr wenige E-Modelle, Daimler will das mit einer neuen Kultur des Busfahrens ändern. „Im Jahr 2030 verfügen 70 Prozent aller neu zugelassenen Stadtbusse über einen emissionsfreien Antrieb“, gibt sich Gustav Tuschen siegessicher. Tuschen ist Entwicklungsleiter von Daimler Buses, weiß aber auch um die gewaltigen Herausforderungen bei der Umstellung: „Es muss alles passen: Fahrgastströme, Haltestellenabstände, Ladetechnik, Ladehäufigkeit.“ Für Daimler sei es kein Problem, einen guten Bus zu bauen, schlaflose Nächte bereitet Tuschen eher das Thema Energie-Management: „Müssen Sie im Winter heizen oder Sommer kühlen, verdoppelt sich der Verbrauch elektrischer Energie. Das müssen wir in den Griff kriegen.“

Der Future Bus von Mercedes-Benz hat noch ein paar andere Ideen an Bord: Über ein Software-System namens CityPilot wird er über Ampel-Anlagen informiert, das Ziel ist es, das in Großstädten übliche Stop-and-Go zu verhindern: Busse sollen rollen, nicht stehen. Mit einer Reichweite von 200 Metern bekommt der Bus die Information zum Ampelstatus und Dauer der Ampelphase. Der Busfahrer ist nur noch zur Überwachung da, das Fahren übernimmt der Future Bus meistens selbst. Je mehr Stopps verhindert werden können, desto besser. Denn beim Bremsen und Anfahren werden besonders viele Feinstaub-Partikel aufgewirbelt.

 

3. E-Schiffe als Alternative?

Besonders hoch ist die Feinstaub-Belastung in der Nähe der See. Laut einer Statistik des Umweltbundesamtes stammen 23 Prozent der Feinstaubbelastung aus dem Schiffsverkehr, da dieser Schweröl verbrennt. Aktuell werden Akkumulatoren in der Schifffahrt lediglich als Hilfsenergiequelle eingesetzt.

Das Prinzip ist simpel: Der Dieselgenerator läuft immer mit der gleichen Zahl von Umdrehungen, die eine gute

Norled Fähre

Norled Fähre

Balance zwischen Leistung, Verbrauch und Emissionen garantiert.
Braucht der Kapitän mehr Leistung, wird der Akku dazu geschaltet. Beim Einlaufen in den Hafen werden sogar mitunter nur Akkumulatoren beansprucht, weil das Prozedere lange dauern kann. Norwegen geht bereits einen Schritt weiter und testet gerade erste Akku-Fähren, die keinerlei Abgase produzieren. Der Strom wird aus Wasserkraft gewonnen, die Emissionsbelastung ist gleich Null.

 

Die Idee entstammte aus einem Wettbewerb des norwegischen Transportministeriums: Wer die beste Fähre konzipiert, gewinnt eine Lizenz für eine neue Route. Das Rennen machte ein komplett elektrisches Modell, welches kein Kohlenstoffdioxid, keine Schwefelemissionen und keine Rußpartikel produziert. Gebaut wird es von Norled, einem Konzern, der elektrische Antriebssysteme entwickelt und auch mit Tesla kooperiert. Elektrische Autos sind in den skandinavischen Ländern viel verbreiteter als bei uns, weil die Regierung große Anreize bietet: Wer einen Tesla oder andere batterieelektrisches Modell kauft, erhält sehr großzügige Steuervorteile. Eine Investition in die Zukunft und Gesundheit.

 

von Benjamin Kratsch