Über 20 Millionen Menschen leben in der Megacity Peking. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation gilt die Luftqualität in Chinas Hauptstadt, welche flächenmäßig in etwa so groß wie Schleswig-Holstein ist, als eine der schlechtesten der Welt. Xiao Li (36) lebt seit ihrer Studienzeit in Peking, wo sie mittlerweile für Chinas größtes Outdoor-Magazin „Outside“ arbeitet. Ein Kurzinterview über Feinstaubbelastung und Elektromobilität. 

 

Anfang des Jahres vermeldeten die Medien Smog-Rekordwerte in Chinas Hauptstadt Peking. Wie sehr beeinflusst bzw. beeinträchtigt Luftverschmutzung Ihr Leben in der Megacity?

Journalistin Xiao Li (36) lebt seit ihrer Studienzeit in Peking

Journalistin Xiao Li (36) lebt seit ihrer Studienzeit in Peking

Xiao Li: Ich möchte anmerken, dass Luftverschmutzung nicht nur in China, sondern auch in anderen internationalen Großstädten ein großes Problem ist. Nicht alles Schlechte ist ausschließlich „Made in China“. Noch vor ein paar Jahrzehnten erstickten auch europäische Städte, wie etwa London, im Smog. Selbstredend, dass ich lieber Frischluft einatme und daher ein Gegner von Feinstaubbelastung bin, ganz egal, wo auf dieser Welt gerade entsprechend hohe Werte gemessen werden. Zurück zur Frage: Ich fühle mich fit, kann jedenfalls keine unmittelbaren gesundheitsschädigenden Auswirkungen auf meinen Organismus feststellen.

 

Tragen Sie gelegentlich einen Mundschutz?

Nein, bisher nicht. Vergleichsweise wenige meiner Landsleute verwenden einen Mundschutz. Um ehrlich zu sein, sind es hauptsächliche Ausländer, internationale Touristen, die mit Masken durch Peking laufen.

 

Ist Umweltschutz im Bewusstsein der Bevölkerung bereits angekommen?

Mehr denn je!

 

Wie dringlich ist das Thema auf der politischen Agenda Chinas und in den Medien?

Umweltschutz und Menschenrechte sind neben Wirtschaft die Themen in China.

 

Ist E-Mobilität in Chinas Großstädten bereits angekommen?

Alleine in meinem unmittelbaren Bekanntenkreis haben sich kürzlich mehrere Freunde einen Tesla angeschafft. Sehr viele Taxis in unserer Stadt sind strombetrieben. Der chinesische Hersteller von Elektroautos BYD (Build Your Dreams) ist sehr erfolgreich. Mit der Umstellung auf Elektroautos alleine löst man zwar sicher nicht globale Umweltprobleme, aber immerhin: es ist ein Anfang.

 

Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege: gerade Automobile aus Deutschland sind gefragte Statussymbole in China. Glauben Sie persönlich an einen Wandel hin zur Elektromobilität in Ihrer Heimat?

Autos aus Deutschland waren und sind in China, ebenso wie bei Ihnen zu Hause in Europa, tatsächlich sehr gefragt. Aber nicht jeder Bürger, weder in Deutschland noch in China kann sich überhaupt ein eigenes Auto leisten. Insofern ist ein Auto wohl überall auf der Welt ein gewisses Symbol von Wohlstand. Natürlich sind auch wir in China offen für E-Mobilität. Darf ich meine persönliche Meinung dazu äußern?

 

Nur zu!

Wir retten die Welt jedenfalls nicht nur über die Umstellung von Öl auf Strom, also auf E-Mobility. Ich fürchte die Menschheit muss sich grundlegend ändern. Letztendlich ist nicht Öl der Grund allen Übels. Wir Menschen tragen die Schuld.

 

Wie oft sind Sie in Peking mit dem Fahrrad unterwegs?

Da ich im Stadtzentrum lebe, gibt es für mich nur zwei Fortbewegungsmittel, die wirklich Sinn machen, um schnell voranzukommen: was ich nicht zu Fuß schaffe, erreiche ich mit dem Rad. Ich fahre täglich damit.

 

Gibt es bereits viele Autohäuser in Peking, die auf Elektro-Autos bzw. entsprechende Motorräder spezialisiert sind?

Sehr viele! Alleine in meinem Viertel zwei.