Sie sind leise, sauber und gut für das Klima: Elektroautos. Ihnen gehört die Zukunft – sagen in inniger Eintracht Politik und Autoindustrie. Allein: Die Kunden bleiben aus. Daran hat auch die Kaufprämie für Elektroautos nicht viel geändert. Ist die Subvention also ein Flop? Eine Spurensuche

Die Kaufprämie für Elektroautos und Hybridfahrzeuge kann seit dem 2. Juli 2016 beantragt werden. Autokäufer bekommen beim Erwerb eines reinen Elektroautos eine Prämie von bis zu 4.000 Euro, für Hybride immerhin 3.000 Euro – wenn sie das Auto nach dem 18. Mai 2016 gekauft oder bestellt haben. Doch selbst diese doch üppige Finanzspritze konnte bislang keinen Run auf die Stromer auslösen. Bis einschließlich Januar 2017 sind in Deutschland nicht einmal 11.000 Anträge auf die Kaufprämie gestellt worden. Von den wenigen entfielen rund 6.100 Anträge auf Elektroautos und gut 4.700 auf Plug-in-Hybride. Etwas weniger als die Hälfte der Anträge stammt von Privatpersonen, der Rest kommt von Unternehmen. Woran liegt diese Zurückhaltung?


E-Auto-Kaufprämie:  Hier geht’s zum Online-Formular


Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) führt drei Gründe an: Die geringe Zahl an Ladestationen; nur 5.800 (Anfang 2016) im Vergleich zu bundesweit 14.500 Tankstellen; die mangelnden Reichweiten der meisten Elektroautos und die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten. Am letzten Punkt setzt die Kaufprämie an und könnte so einen Kaufanreiz schaffen.

Drei Probleme: Kaufpreis, Reichweite, Ladesäulen-Infrastruktur

Bleiben die Fragen nach der geringen Reichweite und der mangelhaften Infrastruktur an Ladesäulen. Bei den Reichweiten scheinen sich positive Tendenzen abzuzeichnen. 600 Kilometer Reichweite verspricht Volkswagen bei seiner neuesten Generation an E-Autos, 500 Kilometer werden es bei Opel, immerhin 400 Kilometer bei Renault (Herstellerangaben). Das entspricht zwar noch längst nicht den Margen eines Benziners, dürfte aber für die Bedürfnisse der meisten Autofahrer absolut akzeptabel sein. Das Problem: All diese Autos kommen erst noch, sie schlagen sich bei den bisherigen Bestellungen noch nicht nieder.

Prozentual betrachtet ein gewaltiges Wachstum

Wie sieht nun die Entwicklung in puncto Ladeinfrastruktur aus? Für das Jahr 2020 hat die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) einen Bedarf von 70.000 öffentlichen Ladepunkten und 7.100 Schnellladesäulen ermittelt. Auch hier unterstützt die Bundesregierung die Entwicklung mit Finanzmitteln. Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, hat im Mai 2016 den Start einer Ladestationen-Offensive verkündet: „Mit 300 Millionen Euro für 15.000 Ladesäulen schaffen wir (…) die Voraussetzung.“ Und der Status Quo? Ende des Jahres 2016 konnten die Deutschen ihre Stromer an 6.129 Schnell-Ladestationen und immerhin an 17.519 normalen Lade-Anschlüssen auftanken, vermeldet der Online-Dienst chargemap.com. Ein Jahr vorher waren es hierzulande noch 12.300 Anschlüsse und 4.230 Schnell-Ladestationen. Ein – prozentual betrachtet – durchaus bemerkenswertes Wachstum.


 

So funktioniert die Förderung

 


EU stellt die Weichen Richtung Elektromobilität

Nun stellt offenbar auch die Europäische Union die Weichen Richtung Elektromobilität. Einem Bericht des Nachrichtenmagazins der SPIEGEL zufolge sollen neue Gebäude ab 2023 zwingend eine Auflade Möglichkeit für Elektroautos haben. „Einfamilienhäuser und andere kleinere Gebäude müssen demnach mindestens über eine entsprechende Vorverkabelung verfügen. Bei größeren Gebäuden muss wenigstens einer von zehn Parkplätzen mit einer festen Ladestation ausgestattet sein“, zitiert das Magazin Mitte Oktober 2016 aus der EU-Verordnung. Allerdings – die EU-Verordnung greift erst ab dem Jahr 2023.

„Leitmarkt“ statt der Million

Es scheint eng zu werden mit der einen Million Elektroautos bis 2020. Selbst die Bundesregierung mag diese Marge nicht mehr in den Mund nehmen. Auf eine kleine Anfrage der Grünen im Bundestag, ob die altbekannt Zielsetzung unverändert bestehe, gab sich die Regierung bedeckt. Man habe „sich das Ziel gesetzt, dass Deutschland im Jahr 2020 Leitanbieter und Leitmarkt ist“, lautete die Antwort. Das Ziel von einer Million Elektroautos kam – obwohl explizit danach gefragt wurde – nicht mehr vor.

Ist die Bundesregierung also gescheitert und die Kaufprämie ein Flop? Mitnichten. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC rechnet damit, dass im Jahr 2020 etwa 500.000 Elektroautos auf deutschen Straßen rollen – was aus heutiger Sicht einem Boom gleichkäme. Noch optimistischer gibt sich der Think-Tank Bloomberg New Energy Finance (BNEF). „Die Ära der Elektroautos steht unmittelbar bevor“, prognostizieren die Analysten. Bloomberg rechnet damit, dass bis 2040 ein Massenmarkt für Elektroautos entstanden sein wird. „In rund 25 Jahren dürften 35 Prozent aller Neuwagen einen Stecker haben.“ Das wäre – nebenbei bemerkt – ein Anstieg von 90 Prozent im Vergleich zu 2015. „Ob es bis 2040 25 Prozent oder 50 Prozent sein werden, macht ehrlich gesagt nicht so viel aus. Dass es ein Massenmarkt sein wird ist fix“, sagt Salim Morsy, BNEF-Analyst und Autor des Berichts von Bloomberg.