Die Situation kennt mit Sicherheit jeder, der regelmäßig mit dem Rad in der Stadt unterwegs ist: Man fährt auf dem Radweg neben einer großen Straße, ein Weg zweigt nach rechts ab. Die Ampel steht auf Grün: freie Fahrt. Eigentlich müsste man als Radler die Querstraße nun ungefährdet überqueren und geradeaus weiterfahren können. Doch der Lastwagen, der nach rechts abbiegt, macht keine Anstalten zu bremsen. Ohne eine Vollbremsung des Radlers ist der Zusammenstoß unvermeidlich.

 

Schätzungen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zufolge gibt es jährlich in Deutschland 650 Abbiegeunfälle mit Personenschaden zwischen Lkw und Radfahrern, im Schnitt enden 30 davon tödlich. In einer idealen Welt hätten Kameras und Sensoren im Lkw die Gefahr erkannt und den Unfall verhindert. Glaubt man den Experten der acatech Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, so ist diese Welt im Jahr 2030 Realität. In der aktuellen Studie „Neue autoMobilität“ legt acatech Deutsche Akademie der Technikwissenschaften eine Roadmap vor, die zeigt, wie der Straßenverkehr bis 2030 vernetzt, automatisiert und damit sicherer und fließender werden kann. Am 5. Dezember wurde die Studie der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Ein Aspekt der Studie sind die technischen Möglichkeiten der Vernetzung, aber auch neue Sicherheitssysteme wie die zitierten Kameras und Sensoren im Lkw. Die Studie gibt einen Überblick zum Entwicklungsstand, zu den rechtlichen Rahmenbedingungen sowie zur Markteinführung von Technologien des automatisierten Fahrens. Die Nutzungsszenarien präsentieren mögliche Anwendungsfälle und den individuellen Nutzen des automatisierten und vernetzten Fahrens in Hinblick auf Verkehrssicherheit, Lebensqualität oder soziale Teilhabe.

 

In sechs übergeordneten Kategorien wird der aktuelle Stand, beispielsweise in Forschung und Entwicklung, Standardisierung und Normung sowie zu notwendigen infrastrukturellen als auch rechtlichen Rahmenbedingungen detailliert. Anhand von Roadmaps werden der Handlungsbedarf aufgezeigt und entsprechende Schlussfolgerungen formuliert, um Automatisierung und Vernetzung im Sinne einer ganzheitlichen Mobilitätswende voranzubringen.

 

Die Autoren der Studie aus über 40 Organisationen aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und der Gesellschaft haben innerhalb der acatech Projektgruppe „Neue autoMobilität“ branchen- und disziplinenübergreifend zusammengearbeitet. Sie möchten mit ihrer Studie eine bislang unübersichtliche Debatte ordnen.

 

Die Studie gibt es hier zum Download.