Ein Besuch bei Daniel Abt, 25, Sohn des Allgäuer Auto-Tuners und Rennstallbesitzers Hans-Jürgen Abt. Wenig überraschend, dass Daniel Profi-Rennfahrer geworden ist. Er fährt aktuell in der Formula E, der schnellsten elektrischen Rennsportserie der Welt. Wir haben ihn gefragt, warum die Formel E, wie sie in Deutschland heißt, für mehr Racing-Momente sorgt als etablierte Rennserien, was ihm für ein privates E-Auto noch fehlt und warum er mitten in einem Rennen sein Auto wechseln muss.

Die Formula E gilt als derzeit aufregendste Rennserie der Welt. Mahr Innovationskraft, mehr Spaß – man denke an die Rennstrecken durch die Zentren der Weltmetropolen – bringt keine andere Rennserie mit. Um den Titel kämpft auch ein junger Deutscher, genauer gesagt ein junger Allgäuer. Daniel Abt, Sohn des Tuning-Papstes und Rennstallbesitzers Hans-Jürgen Abt, fährt zusammen mit Lucas di Grassi in der Rennserie und hält für das Team ABT Sportsline, dem einzigen deutschen Team übrigens, die schwarz-rot-goldene Flagge hoch.

Wir treffen uns in der Firmenzentrale in Binzenried, einem Vorort von Kempten im Allgäu. Der Glasbau thront prominent an der Einfahrt zu einem Industriegebiet, man biegt von der Bundesstraße nach links ab und steht – wie praktisch – im Johannes-Abt-Ring. Daniel Abt, klein, drahtig, kräftiger Händedruck, erwartet uns, er gibt den perfekten Gastgeber. Er lächelt das bekannte Dani-Abt-Lächeln und lädt in die Espresso-Lounge im Showroom der Tuning-Zentrale ein.

Um über die Saison zu sprechen, ist es noch ein wenig früh im Jahr (das Gespräch fand Ende September statt). Die Vorbereitung lief vielversprechend, demnächst (im Oktober und November) stehen die ersten Wertungsläufe in Hongkong und Marrakesch an. Also gut, dann ein Gespräch über die Formula E im Allgemeinen. Wie fährt sich eigentlich so ein stiller Bolide? „Das Auto an sich – oder besser gesagt: die Fahrweise in einem Formel E Auto – unterscheidet sich nicht wirklich von der in einem Auto mit einem Verbrennungsmotor. Ein Unterschied ist aber die Beschleunigung, also das Ansprechverhalten beim Gas geben.“

Man hat sofort die volle Leistung anliegen

Ein großer Unterschied, denn die Formula E Autos sind nicht nur leise, sondern extrem drehfreudig. Bei einem Auto mit Elektromotor, erklärt Abt, habe man sofort die volle Leistung anliegen – vom Stand weg. Im Gegensatz zu einem Verbrennungsmotor, der seine maximale Leistung nur in einem bestimmten Drehzahlbereich abrufen kann. Ein großer Vorteil der Elektrotechnik, von dem viele Besitzer eines Elektroautos mit Straßenzulassung schwärmen. Aufs Gas – und der leise Wagen spurtet sofort los.

Zurück zur Rennserie. Man fährt ja im Gegensatz zu den etablierten Rennserien durch enge Stadtkurse durch die Zentren spannender Metropolen wie Buenos Aires und Mexiko City, Paris oder Berlin. Merkt man als Fahrer, dass das Publikum so nahe dran ist? „Ja, das Flair ist total anders, wenn man mitten in der Stadt ist. Die Fans müssen nicht anreisen. Die sind halt einfach da, kommen mit Bus oder U-Bahn an die Rennstrecke. Es ist außerdem ein Ein-Tages-Event, das ist schnell wieder vorbei. Und in den Städten ist nochmal eine andere Stimmung. Man sieht die Leute, wenn sie auf der Tribüne stehen. Und beim E-Auto hört man sie auch klatschen. Das sorgt schon für richtig Gänsehaut.“

Jeder Fahrfehler bedeutet, dass man in der Mauer hängt

Vermutlich ist auch die Fahrweise eine andere, das Layout der Strecken ist enger, kniffliger als auf den weitläufigen Grand Prix Strecken dieser Welt. Klar, sagt Abt, das mache schon einen riesen Unterschied. „Die Streckenlayouts sind ganz anders, es ist eng, man hat keine Auslaufzone. Es gibt nur die Straße und dann gleich die Mauer. Jeder Fahrfehler bedeutet, dass man in der Mauer hängt. Das macht das Fahren schon richtig anspruchsvoll. Ein anderes Thema sind die Bodenwellen. Man glaubt gar nicht, wie viele Bodenwellen es in den Städten gibt“ (lacht).

Ein großes Argument für die Rennserie war natürlich der erwartete Technik-Transfer in die Automobiltechnik. Allerdings scheint sich an dieser Front noch nicht allzu viel getan zu haben. Woran liegt das eigentlich? „In der ersten Saison hatten die Autos aller Teams noch Einheitsmotoren. Die Entwicklung ging also erst in Saison zwei los. Seitdem versucht man schon, Motoren zu bauen, die höchst effizient und technologisch anspruchsvoll sind.“

Zur Hälfte wechseln die Piloten in ein Auto mit voller Batterie

Wobei die Motoren ja nur der eine Teil der Wahrheit sind. Der andere Faktor, der einer flächendeckenden Verbreitung mit Elektroautos im Weg steht, ist die geringe Reichweiten der Stromer. Das Problem sind die Akkus. Allerdings gibt es in diesem Segment auch in der Formula E (noch) keinen Königsweg. Im Gegenteil: Die Piloten wechseln zur Hälfte des Rennens ihre Wagen. Sie steigen einfach in ein Auto mit einer frisch aufgeladenen Batterie und fahren den Wettkampf zu Ende.

Nun wäre es natürlich vermessen, von einer so jungen Rennserie wahre Wunderdinge in Sachen Entwicklung und Innovation zu erwarten. Einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung der E-Mobilität leistet die Serie in jedem Fall. „Sie bietet dem Trend der E-Mobilität eine Plattform im Motorsport. Die Organisatoren sind der Meinung, dass diese Technologie die Technik der Zukunft ist.“ Hoffen, wi, dass es Dani Abt gelingt, dem schillernden Flair der Rennserie auch noch ein wenig vom Glaz eines Siegers zu verpassen. think-e hält die Daumen!